Mona Hatoum; Käthe-Kollwitz-Preis 2010; Käthe-Kollwitz-Preis 2010
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Die Jury der Sektion Bildende Kunst hat den Käthe-Kollwitz-Preis 2010 Mona Hatoum für ein Werk von au�ergewöhnlicher Spannweite und innerer Kohärenz zuerkannt. Seit drei Jahrzehnten arbeitet die Künstlerin an einer Bildsprache, die inmitten einer routiniert, selbstgefällig und sentimental gewordenen Zivilisation die ursprüngliche Erfahrung der Fremdheit des Menschen in der Welt erneuert. Im Jahre 1975 durch den Ausbruch des Bürgerkrieges im Libanon an der Rückkehr in ihr Geburtsland gehindert, hat sie die Heimatlosigkeit angenommen und mit gro�er künstlerischer Kraft und Ingeniosität in den Ausdruck einer menschlichen Grundsituation zu verwandeln verstanden. Ob Performance, Video oder Installation, Mona Hatoum untergräbt mit den Mitteln der Materialverfremdung, der Orts- und Ma�stabsveränderung unser Vertrauen in die Sicherheiten des Alltags. Dienliches wie Haushaltsgeräte oder Einrichtungsgegenstände nimmt monströse Züge an, Licht wirkt bedrohlich, Landkarten denunzieren die von ihnen prätendierte Ortskundigkeit usf. Nicht die Entfremdung vom Eigentlichen, geschweige denn der Verlust von Heimat ist Mona Hatoums Thema, sondern die ebenso verstörende wie die Sinne schärfende Empfindung, dass hinter der Fassade der eingerichteten Welt nach wie vor und vielleicht mehr denn je die rohe Unwirtlichkeit lauert. Die körperliche Unmittelbarkeit, mit der sich diese Wahrnehmung dem Betrachter aufdrängt, gewinnt ihre Authentizität nicht zuletzt dadurch, dass sie, wie das Fremdsein selbst, das komische Element keineswegs ausschlie�t.
40 pagina's | Engels
Verschenen in 2010
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